Therapie

Die Behandlung von Magenkrebs richtet sich nach dem Tumorstadium, das mittels Staging und Grading festgelegt wird, sowie nach der Laurén-Klassifikation , die angibt, wie sich der Tumor ausbreitet.

In frühen Stadien ist das Ziel der Behandlung, den Tumor vollständig zu entfernen und damit die Krankheit dauerhaft zu heilen. Sehr kleine, oberflächliche Tumoren können mit Hilfe eines Endoskops entfernt werden, die meisten Tumoren werden jedoch im Rahmen einer Operation entfernt. Eine Operation kommt in Frage, wenn der Tumor noch nicht in umliegendes Gewebe eingewachsen ist und nicht gestreut hat. In Deutschland werden etwa sechs von zehn Patienten mit Magenkarzinom operiert.1 Je nach Lage und Ausbreitung des Tumors ist eine totale oder teilweise Entfernung des Magens die einzige Möglichkeit den Tumor vollständig zu entfernen.1 Auch die umliegenden Lymphknoten des Magens werden mit entfernt und auf Metastasen untersucht.2

Zusätzlich erfolgt häufig eine Chemotherapie , die vor der Operation begonnen und nach der Operation fortgesetzt wird. Sie soll den Tumor vor dem Eingriff verkleinern und danach eventuell im Körper verbleibende Tumorzellen vernichten und so das Risiko für einen Rückfall senken. Bei Patienten mit Karzinomen des ösophagogastralen Übergangs (AEG-Tumoren) wird unter gewissen Umständen nach der Operation auch eine Radiochemotherapie empfohlen.1

Ist der Magenkrebs schon weiter fortgeschritten, ist eine Operation meist nicht mehr möglich. Ziel der Behandlung ist es dann, das weitere Tumorwachstum zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Dazu wird meist eine Chemotherapie durchgeführt, die auch mit einer zielgerichteten Therapie kombiniert werden kann.1

Die Therapie findet oft in Kliniken oder Krankenhäusern statt, die auf die Behandlung von Krebs spezialisiert sind. In der Regel wird dort in einer interdisziplinären Tumorkonferenz über das Therapiekonzept entschieden. Mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen erörtern dabei die Diagnose und den Allgemeinzustand des Patienten und erarbeiten gemeinsam einen individuellen Behandlungsplan.1

Die wichtigsten Therapieoptionen werden im Folgenden genauer erklärt.

Sehr früh entdeckte Tumoren können unter Umständen mit dem Endoskop entfernt werden. Das ist ein dünner biegsamer Schlauch, dessen beweglicher Kopf mit Lichtquelle und Kamera ausgestattet ist. Wie bei der Magenspiegelung führt der Arzt das Endoskop durch den Mund über die Speiseröhre bis in den Magen. Mit Hilfe von Instrumenten, die durch das Endoskop eingeführt werden, kann der Tumor entfernt werden.1 Der Eingriff wird in der Regel unter leichter Narkose durchgeführt.3

Da Magenkrebs jedoch häufig erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden bereitet, wird er sehr selten so früh diagnostiziert, dass die endoskopische Therapie zum Einsatz kommt.1

Ziel der Operation ist es, den Tumor sowie die benachbarten Lymphknoten vollständig zu entfernen und die Erkrankung damit zu heilen. Durch das Entfernen der umliegenden Lymphknoten kann sichergestellt werden, dass sich die Krebszellen nicht über die Lymphbahnen im Körper ausbreiten können. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt.3 Je nach Lage und Ausbreitung des Tumors wird der Chirurg den Magen entweder ganz oder teilweise entfernen. Bei Tumoren des Mageneingangs muss auch der untere Teil der Speiseröhre entfernt werden.1

Damit Patienten nach der Operation wieder möglichst normal essen können, muss der Verdauungsweg wiederhergestellt werden. Wurde nur ein Teil des Magens entfernt, verbindet der Chirurg den Restmagen mit dem Dünndarm. Musste der ganze Magen entfernt werden, wird der Dünndarm direkt mit der Speiseröhre verbunden. Dabei kann der Chirurg aus Dünndarmschlingen eine Art Magenersatz herstellen, der die Funktion eines Speisespeichers übernimmt. Die für die Verdauung wichtigen Sekrete kann dieser Magenersatz jedoch nicht bilden. Patienten müssen daher nach einer Magenoperation ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen.3

Das entnommene Gewebe wird im Anschluss feingeweblich untersucht, und es wird geprüft, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Dies ist der Fall, wenn die Schnittränder frei von Tumorzellen sind. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen ergibt sich die weitere Therapie.1

Kann ein Tumor operativ nicht oder nur teilweise entfernt werden, muss er zusätzlich oder alternativ mit medikamentösen Therapien oder einer Strahlentherapie behandelt werden.

Bei einer Chemotherapie werden Medikamente (Zytostatika) verabreicht, die die Zellteilung und damit auch das Wachstum von Krebszellen im gesamten Körper hemmen. Um eine möglichst gute Wirkung gegen die Tumorzellen zu erreichen und dabei Nebenwirkungen gering zu halten, kommt bei der Behandlung von Magenkrebs in der Regel eine Kombination mehrerer Zytostatika zum Einsatz.1

Häufig erhalten Patienten vor einer Magenoperation eine Chemotherapie. Bei einem Teil der Patienten wird diese nach der Operation fortgesetzt.1

Vor der Operation soll der Tumor damit so weit verkleinert werden, dass er vollständig entfernt werden kann. Nach der Operation kann die Chemotherapie dazu beitragen, eventuell im Körper verbliebene Krebszellen abzutöten und die Langzeitprognose der Patienten zu verbessern. Ist der Magenkrebs weiter fortgeschritten, kann eine Chemotherapie auch in Verbindung mit einer zielgerichteten Therapie das Tumorwachstum verlangsamen oder zeitweilig stoppen und tumorbedingte Beschwerden lindern.1

Die Radiochemotherapie ist eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie . Wenn vor der Operation keine Chemotherapie durchgeführt werden konnte und wenn der Tumor oder die benachbarten Lymphknoten nicht vollständig entfernt werden konnten, kann der Arzt eine Radiochemotherapie empfehlen. Sie kann dazu beitragen, die Langzeitprognose der Erkrankung zu verbessern.1

Zielgerichtete Therapien (engl. „targeted therapies“) sind eine weitere Art der Krebsbehandlung. Diese Medikamente wirken auf Zellebene und richten sich gezielt gegen bestimmte biologische Eigenschaften oder Mechanismen des Tumors, die zum Beispiel das Wachstum der Tumorzelle oder die Blutgefäßbildung zur Versorgung des Tumors fördern.

Anhand spezieller Eigenschaften des Tumors, z.B. das Vorliegen von Genmutationen oder die Ausprägung bestimmter Gene, kann die Wahrscheinlichkeit für die Wirksamkeit eines zielgerichteten Medikamentes bereits vor Beginn der Therapie abgeschätzt werden. Derartige Vorhersageparameter werden Biomarker genannt. Durch das Eingreifen in die verschiedenen Signalwege des Tumorstoffwechsels oder das Hemmen der Nährstoffzufuhr des Tumors, wird dem Tumorwachstum entgegengewirkt.5 Zielgerichtete Therapien kommen für einen Teil der Patienten vor allem beim fortgeschrittenen Magenkarzinom mit Fernmetastasen zum Einsatz.4

Zielgerichtete Therapien können ihre Wirkung im Wesentlichen über zwei verschiedene Angriffspunkte entfalten:6

  • Hemmung der Signalübertragung
    Tumorzellen brauchen Signale von außen, um zu wachsen und sich zu vermehren. Verschiedene zielgerichtete Krebsmedikamente hemmen diese Wachstumssignale und damit auch das Tumorwachstum.
  • Hemmung der Gefäßneubildung
    Wie jede gesunde Zelle brauchen auch Tumorzellen Sauerstoff und Nährstoffe, um zu wachsen und sich zu vermehren. Ab einer gewissen Größe bildet der Tumor hierfür neue Blutgefäße („Angiogenese“). Die sogenannten „Angiogenese-Hemmer“ hemmen sogenannte Gefäßneubildungen und hindern damit den Tumor am Wachsen.

Immunonkologische Therapien richten sich nicht direkt gegen den Tumor, sondern nutzen die natürlichen Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems zur Krebsbekämpfung. Tumorzellen können sich der Erkennung durch das Immunsystem entziehen oder durch die Freisetzung chemischer Stoffe eine Immunantwort unterdrücken. Signalwege, die es den Krebszellen ermöglichen, der körpereigenen Immunabwehr zu entgehen, werden mit Hilfe von immunonkologischen Therapien blockiert. Damit wird das Immunsystem nachhaltig mobilisiert und ist somit wieder in der Lage, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Die eigene, gegen Krebszellen gerichtete Immunreaktion wird reaktiviert.5

Aktuell werden immunonkologische Substanzen zur Behandlung von Magenkrebs noch in klinischen Studien erforscht. Sie könnten aber schon in naher Zukunft eine weitere Behandlungsmöglichkeit für einen Teil der betroffenen Patienten darstellen.

 

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