Welche Rolle die Ernährung während einer Krebstherapie spielt, hängt sehr von Ihrer persönlichen Situation ab: Ob Sie normal essen können oder Probleme haben. Ob Ihr Gewicht stabil ist oder eine Mangelernährung droht. Daher gibt es keine pauschalen Empfehlungen, die für alle gelten.
Oft fordert die Therapie einer Krebserkrankung jedoch Höchstleistungen von Körper und Seele. Die bewältigen Sie besser, wenn Sie ausreichend essen und trinken und dadurch genug Energie und Nährstoffe bekommen. Genießen Sie daher Ihr Essen weiter wie bisher, solange sie keine Probleme haben und Ihr Gewicht stabil bleibt.
Manchmal führt die Erkrankung oder Krebstherapie jedoch dazu, dass Essen zum Problem wird oder Sie ungewollt Gewicht verlieren. Vertrauen Sie dann auf die vielfältigen Möglichkeiten einer Ernährungstherapie. Diese lassen sich individuell auf Ihre Bedürfnisse zuschneiden. Hier erhalten Sie einen ersten Eindruck zu den wichtigsten Formen einer angepassten Ernährung und wie Sie damit besser durch diese schwierige Zeit kommen.
Die ersten Weichen für die jetzt angemessene Ernährung werden im Idealfall direkt nach der Diagnose gestellt. Je nach Krankheits- und Therapiephase werden diese immer wieder individuell angepasst. So bewältigt der Körper anstrengende Therapien besser. Welche Ernährungsform wann für Sie ratsam ist, entscheiden Sie zusammen mit Ärzt:innen und zertifizierten Ernährungsfachkräften.
Fachleute sprechen hierbei auch von einer Ernährungstherapie. In diesem Zusammenhang ist damit eine bestimmte Form der Ernährung gemeint. Gleichzeitig versteht man unter Ernährungstherapie aber auch eine Ernährungsberatung durch zertifizierte Ernährungsfachkräfte, die sich an erkrankte Menschen richtet. Darum geht es im Kapitel Ernährungsberatung und -therapie.
Stark vereinfacht gibt es fünf Stufen der Ernährungstherapie, die aufeinander aufbauen. Sie können untereinander kombiniert werden und sich gegenseitig ergänzen. Wichtig zu wissen ist, dass diese Stufen keine Einbahnstraße sind. Von jeder Stufe führt der Weg auch wieder zurück. Dahinter steckt das Ziel, dass Sie sobald wie möglich wieder normal essen und Ihr Leben genießen können.
Stufen der Ernährungstherapie
Die Ernährungstherapie ist eine wichtige begleitende Maßnahme der Krebstherapie. Mit einer individuellen Ernährungstherapie sichern Sie Ihren Ernährungszustand und steigern Ihre Lebensqualität.
Was ist „normal“? Für die einen gehört dazu mehrmals die Woche Fleisch und täglich Wurst, andere ernähren sich vegetarisch. Manche Menschen kochen regelmäßig selber mit frischen Zutaten, andere greifen auch gerne zu Fertigprodukten oder essen viel außer Haus. Oft bedeutet „normal“ eine bunte Mischung aus allem.
Auf der Stufe 1 halten Sie während der Krebstherapie an Ihrer gewohnten Ernährungsweise fest und essen, was Ihnen schmeckt und Ihnen gut tut. Oft kommt es aber zu Problemen, weil bestimmte Speisen nicht mehr vertragen werden oder Sie ungewollt abnehmen. Dann kann es helfen, gezielt zu energiereichen Lebensmitteln wie Sahne, Butter, Öl, Säften und Snacks zu greifen.
Auf der Stufe 2 kommen spezielle Nahrungsergänzungsmittel dazu. So gibt es zum Beispiel Kohlenhydrat- oder Eiweißpulver zum Einrühren in Speisen oder Getränke. Damit lässt sich die Versorgung mit Kalorien bzw. Eiweiß sichern.
Leichte Vollkost2
Bei Verdauungsproblemen, Geschmacksstörungen oder Abneigungen gegen bestimmte
Lebensmittel hilft eine leichte Vollkost. Dabei werden Lebensmittel weggelassen, die
erfahrungsgemäß schlecht vertragen werden. Zum Beispiel fette Lebensmittel und
fettreiche Speisen, blähende Gemüse wie Kohl oder Zwiebeln, Hülsenfrüchte, frisches Brot
und Alkohol.
Greifen Sie stattdessen zu gut bekömmlichen Lebensmitteln und Zubereitungen: fettarme Varianten von Milch und Milchprodukten, Fleisch, Wurstwaren und Fisch; außerdem leicht verträgliche Gemüsesorten wie Karotten, Fenchel, Tomaten oder grüner Salat.
Gelingt es Ihnen nicht, wieder zuzunehmen oder nehmen Sie sogar weiter ab, können spezielle Trinknahrungen vor einer Mangelernährung schützen. Diese auch als „Astronautenkost“ bezeichnete flüssige Nahrung enthält Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett und alle lebensnotwendigen Vitamine und Mineralstoffe.
Produkte für Krebspatient:innen haben meist einen hohen Kaloriengehalt und viel Eiweiß. So reichen schon kleine Portionen aus. Das ist ideal für Menschen, die nicht viel essen oder schlecht schlucken können.
Welche Sorte zu Ihren Bedürfnissen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Dann erhalten Sie ein Rezept und die Krankenkasse trägt die Kosten.
Trinknahrungen können die normale Ernährung ergänzen oder sogar komplett ersetzen. Damit der Genuss dabei nicht auf der Strecke bleibt, gibt es verschiedene Sorten: süße Drinks, Cremes und Puddings oder herzhafte Suppen. Außerdem geschmacksneutrales Pulver, das in herkömmliche Gerichte eingerührt werden kann.
Tipp
Wenn Ihnen Trinknahrungen pur nicht gut schmecken, probieren Sie Kombinationen mit anderen Lebensmitteln aus. Manche Hersteller haben sogar extra Rezepte entwickelt.
Kreative Tipps für Trinknahrungen
Die Sondenernährung wird auch als „enterale“ Ernährung (= über den Darm) bezeichnet. Das verdeutlicht den Unterschied zu normalem Essen und Trinken über den Mund, also der „oralen“ Ernährung. Die flüssige Nährstoffmischung gelangt direkt in den Magen oder Dünndarm und versorgt den Körper sicher mit Energie und allen Nährstoffen.
Eine Sondenernährung kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine normale Nahrungszufuhr über Mund, Rachen oder Speiseröhre nicht möglich ist. Das kann nach Operationen oder Bestrahlung der Fall sein, vor allem bei Kopf-Hals-Tumoren. Voraussetzung ist aber, dass die Verdauung über den Magen-Darm-Trakt nicht gestört ist.
Wenn die Sonde nur ein paar Tage bis wenige Wochen gebraucht wird, kann der Schlauch über die Nase gelegt werden. Ist absehbar, dass Sie für einen längeren Zeitraum nicht normal essen können, wird die Sonde direkt durch die Bauchdecke verlegt. Dafür bedarf es eines kleinen operativen Eingriffs, der stationär oder auch ambulant unter örtlicher Betäubung erfolgt. Der Fachbegriff hierfür heißt „Perkutane endoskopische Gastrostomie“ (PEG). Ist die PEG gelegt, verschwindet sie unauffällig unter der Kleidung und verschafft eine gute Bewegungsfreiheit.
Grundsätzlich kann eine Sondenernährung sogar zuhause erfolgen. Fachliche Unterstützung, Betreuung und Hilfe bei der Kontrolle und Pflege der Sonde leisten Ernährungstherapeuten, Homecare-Unternehmen und Pflegedienste. Für Angehörige, die hilfreiche zur Seite stehen möchten, gibt es spezielle Schulungen
Die Sondenernährung kann eine große Erleichterung sein. Sie versorgt Sie mit ausreichend Nahrung, wenn Sie gar nicht oder nur schlecht schlucken können.
Bei einer parenterale Ernährung (= intravenöse Ernährung oder Infusion) wird der Verdauungstrakt umgangen. Die Nährstoffe gelangen direkt über eine Vene, also am Darm vorbei, ins Blut. Eine solche Ernährung über einen „Tropf“ ist immer dann notwendig, wenn die Verdauungsorgane nicht richtig funktionieren: zum Beispiel nach Operationen, bei starken Nebenwirkungen wie dauerhaftem Erbrechen, Durchfall und Schleimhautentzündungen.
Wie lange die parenterale Ernährung erforderlich ist, hängt vom Einzelfall ab. Sie kann kurzfristig überbrücken oder über einen längeren Zeitraum notwendig sein.
Auch die parenterale Ernährung kann zuhause durchgeführt werden, wenn ein gut geschultes Team zur Seite steht. Standardisierte oder individuell auf die Patient:innen zugeschnittene Lösungen liefern alle lebenswichtigen Nährstoffe. Das wirkt sich oft positiv auf Gewicht, Kraft und Energie aus.
Besonders Krebskranke, die schon länger nicht mehr normal essen können, befreit eine parenterale Ernährung oft aus einem als sehr belastend empfundenen Zustand. Sie kann auch Familien die Zuversicht zurückgeben, dass ihre Angehörigen gut versorgt werden.
Tipp
Sofern es Ihnen möglich ist, können Sie trotz Sonde oder Tropf gleichzeitig normale Lebensmittel und Getränke essen bzw. trinken.
Ob und zu welchen Nebenwirkungen es im Verlauf einer Krebserkrankung kommt, ist sehr unterschiedlich. Manche Patient:innen verkraften Krankheit und Therapien gut und bewältigen ihren Alltag ohne große Einschränkungen. Machen Sie sich in diesem Fall keine Sorgen über mögliche Beschwerden, die bei Ihnen vielleicht nie auftreten.
Sie gehören nicht zu dieser Gruppe, sondern haben Ihre Lust am Essen verloren oder mit Nebenwirkungen zu kämpfen? Dann nehmen Sie das nicht als unvermeidbar hin. Sprechen Sie direkt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und suchen Sie sich eine auf Krebs spezialisierte Ernährungsfachkraft. Die kennen wirksame Mittel zur Vorbeugung und Behandlung aller Ernährungsprobleme und können Sie gezielt beraten.
Eine individuelle Beratung ist sehr wichtig, denn jeder Mensch reagiert anders und jede Tumorart und Krebstherapie bringen andere Herausforderungen mit sich. Dennoch gibt es einige allgemeine Ratschläge, die sich in der Praxis bei häufigen Beschwerden bewährt haben. Hier finden Sie eine erste Auswahl.
Ernährungsprotokoll
Schreiben Sie auf, was Sie wann gegessen haben und wie es Ihnen dabei ergangen ist.
Bringen Sie Ihre Aufzeichnungen auch zur Ernährungsberatung mit. So finden Sie nach und
nach heraus, was Ihnen im Moment gut bekommt und welche Lebensmittel Sie besser meiden
sollten.
Was wirkt gegen Appetitlosigkeit?
Was tun bei Geschmacks- und Geruchsstörungen?
Wie kann man Übelkeit und Erbrechen lindern oder verhindern?
Was hilft bei Durchfall?
Manchmal nehmen Menschen durch die Krebstherapie auch zu. Das kann - wie ungewollter Gewichtsverlust – viele Ursachen haben, die es herauszufinden gilt: bestimmte Medikamente, mangelnde Bewegung oder Essen als Trost. Um Ihr Gewicht im Griff zu halten, können Sie sich professionelle Unterstützung suchen und an allgemeinen Ernährungsempfehlungen orientieren.
Hier ein paar einfache Tipps, die Ihnen dabei helfen, nicht ungewollt zuzunehmen:
Vertiefende Informationen bietet Ihnen die Broschüre „Ernährung bei Krebs“.